Reinhard Grindel, ehemaliger DFB-Präsident
Reinhard Grindel, DFB-Präsident

Der Fall Grindel: Heuchelei, Gier, Maßlosigkeit

Einer, der den DFB von innen kennt und Grindel ebenso, sah das alles kommen, was jetzt passierte, nur Grindel sah die Peinlichkeit nicht, in der er sich längst befand. Harald Stenger war früher Sprecher des DFB und er urteilte vor Monaten messerscharf: „Grindel war und ist der schlechteste DFB-Präsident, den ich je erlebt habe.“  Stengers Urteil kam unmittelbar nach dem Rücktritt von Mesut Özil als Mitglied der Nationalmannschaft. Für Stenger war der CDU-Politiker Reinhard Grindel schon damals nicht mehr tragbar. Ein Mann ohne klare Linie, der nur herumgeeiert habe, alles aussitzen wollte. Özil hatte nach 92 Spielen im Trikot der besten deutschen Kicker die Nase voll, er ging und warf Grindel Rassismus vor. Damals ging es um ein Foto Özils mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Stenger schloss seine Kritik damit ab, was Grindel jetzt nachvollzog: „Wenn er ehrlich ist, muss er gehen“, seine Zeit als DFB-Chef sei abgelaufen. Grindel wollte es aussitzen, was nicht mehr auszusitzen ging.

Der Mann war als Präsident des weltgrößten Fußballverbandes nur noch peinlich. Nein, auf die Sache mit der teuren Uhr, die er von einem nicht gerade gut beleumdeten Ukrainer erhielt, darf man den Fall nicht reduzieren. Was sind schon ein paar Tausend  Euro in einem Gewerbe, in dem mit Millionen gehandelt wird, um nicht zu sagen, herumgeworfen wird, wenn man den bayerischen Präsidenten Uli Hoeneß als Vorbild nehmen würde. Mal eben 80 Millionen Euro für einen Spieler wie Hernandez und weitere Zig-Millionen sollen ja folgen. Die anderen sind ja vom ähnlichen Kaliber wie der FC-Bayern-Chef. Man nehme den BVB-Geschäftsfrüher Watzke, der sich vor Monaten vernehmen ließ, dass die Schwarz-Gelben einen Transfer eines Spielers in Höhe von 100 Millionen Euro stemmen könnten. So oder ähnlich hatte er sich geäußert. Muskelspiele von Leuten, die den Boden unter den Füßen zu verlieren drohen, wenn sie nicht längst schon abgehoben sind.

Und da will einer wie Grindel eben ein bisschen mitspielen. Das mit dem Ehrenamt erwähnt man dann in Sonntagsreden, man selbst gibt sich ja anderweitig die Ehre und führt den Verband, schaut in die Kameras, zieht ein wichtiges Gesicht. Man war ja schließlich vorher schon wer, der Mann. saß für die stärkste deutsche Partei, die CDU, im Bundestag, er konnte sich damit rühmen, mit der Kanzlerin gesprochen zu haben über dies und das. Er war vorher Leiter des ZDF-Studios in Berlin und Brüssel gewesen, Reinhard Grindel kennt die Sache mit der Öffentlichkeit, den roten Teppich, weiß, wie man sich fühlt, in der ersten Reihe zu stehen. Und das glaubte er, als Präsident des DFB vorn zu stehen, an der Spitze. Bescheidenheit war nie sein Ding, man frage die Kollegen aus der Fraktion wie jene vom Sender oder jetzt die Mitarbeiter aus der DFB-Zentrale in Frankfurt, die seine Führung als cholerisch beschrieben haben. Er habe alles besser gewusst. Nun hat sich einer auf seine Art gerächt und ein paar Sachen durchgestochen an die Öffentlichkeit.

Die „Süddeutsche Zeitung“ beschrieb, wie „Grindel im Ehrenamt zum Multimillionär wird, wie es ..sein Plan war“. Das sei ja das Bizarre an dem Chefposten des Fußballbundes: Schnell rücke man als DFB-Präsident auch in die Führungsgremien von UEFA und FIFA. Und so wird aus einem Ehrenamt eine wundervolle Geldvermehrung: denn eine überschaubare Zahl von Sitzungen wird zusammengerechnet mit rund einer halben Million Euro vergütet oder vergoldet, wie man das auch nennen kann. Die SZ zählt dann noch die 170000 Euro Jahresgage vom DFB dazu, zur Hälfte Aufwandsentschädigung, zur anderen Hälfte Verdienstausfall.

So sieht ein Ehrenamt aus

Es kam also einiges zusammen in der Tasche des Präsidenten, der es nicht dabei bewenden ließ, sondern sich zusätzlich weitere 6000 Euro monatlich für ein Aufsichtsratsamt bei einer Tochter des DFB auszahlen ließ. Der „Spiegel“ war ihm drauf gekommen und hatte das berichtet und darauf verwiesen, dass Grindel entgegen einem Beschluss des eigenen Präsidiums gehandelt habe. Der Mann, der als Präsident eben auch jene Hunderttausende von Ehrenamtlichen vertritt, die wirklich alles umsonst tun. Ich habe das als Schüler und Jugendspieler in einem kleinen Fußballklub im Revier erlebt, Schwarz-Weiß Meckinghoven heißt der Verein, als ein ehemaliger Bergmann mit seinem Fahrrad uns am Wochenende begleitete, wenn wir zu Spielen fuhren. Er trainierte uns auch, was man so Training nannte damals vor Jahrzehnten. Der Mann, Emil Kuhnert mit Namen, kümmerte sich um alles, ehrenamtlich. Der ging, wenn wir Sonntags als A-Jugend spielten und das nicht ohne Erfolg, denn wir waren zweimal Kreispokalsieger des Kreises Recklinghausen, mit dem Hut durch die Zuschauerreihen und bat um kleine Spenden. So sieht das aus, Herr Grindel.  So ist ein Ehrenamt, ohne eine teure Uhr, Dienstwagen und und und. Diese Maßlosigkeit, urteilte die SZ zu Recht, sei der „Kern des Skandals.“

Ich habe seinen Rücktritt und seine Erklärung als Hohn empfunden. Er sei „fassungslos über den Fehler, der mir da unterlaufen ist.“ Als wenn es nur um die Uhr gegangen wäre. Und dann noch dieser Satz. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig bin und seit Jahren mit Compliance-Fragen gefasst bin.“ Eben, weil das so ist, wiegt der Fall, wiegen die kassierten Gelder so schwer. Er wollte Transparenz schaffen und handelte dagegen. Weil das so ist, ist kaum vorstellbar, dass der Mann, der nicht mehr Präsident des DFB ist, dann tragbar sein soll in den Gremien von UEFA und FIFA. Da könnte es- Stichwort Compliance- ein Verfahren geben, dem Grindel entgehen kann, wenn er geht, wenn er ganz geht.

Die „Zeit“ erinnerte an einen Auftritt von Grindel auf dem Amateurkongress der Fußballer in Kassel, als er den Zigtausenden kleinen Fußballvereinen geraten habe, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. So einfach kann man das machen. Das Blatt wundert sich, dass man den Präsidenten „nicht mit Eiern beworfen“ habe. Die Kritik in den Medien fällt vernichtend aus. Niemand, der Verständnis hat für ihn, niemand, der ihn noch ernst nimmt.

Und Sorgen muss sich der Mann ja keine machen. Er ist ja, wie das so üblich ist, abgesichert. Er kann zurück zu seinem Sender, zwar nicht als Studioleiter des ZDF in Brüssel, der Job ist ja besetzt. Es gibt vergleichbare Fälle.  Auch der amtierende Regierungssprecher Steffen Seibert, auch einst ZDF-Mann, hat ein Rückkehrrecht zum Sender.

Bildquelle: Wikipedia, Steffen Prößdorf, freie Lizenz bzw. gemeinfrei

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Der Fall Grindel: Heuchelei, Gier, Maßlosigkeit' hat einen Kommentar

  1. 4. April 2019 @ 19:20 asisi1

    Grindel ist nichts anderes , als die im Bundestag sitzenden etablierten Parteimitglieder. Sie tun alles um ihr Dummheit zu kaschieren und um an den Futtertrögen zu bleiben.
    Wie kann ein Herr Löw, der seine Unfähigkeit als Trainer bewiesen hat, weiterhin einen Vertrag erhalten. Es gibt da nur eine Möglichkeit, sie stecken alle unter einer Decke und schieben sich das Geld zu. Nicht sagen , nicht aufmucken, da ja das Geld am Monatsende aufs Konto kommt. (…)

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