Artikel von Joke Frerichs

Joke Frerichs

Joke Frerichs, Dr. rer. pol.; Studium der Politikwissenschaft; Soziologie; Philosophie; Germanistik, lebt als freier Autor in Köln. Zuletzt erschien sein Roman Das Haus des Dichters (2016) und das Journal Inside Out. Die Welt lässt sich nicht umarmen (2016)


Manhattan Transfer ein Passagierbahnhof in Harrison, New Jersey (USA)
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Wiedergelesen: John Dos Passos: Manhattan Transfer

Um die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft oder ein Phänomen wie den Trumpismus  zu verstehen, ist es hilfreich, hin und wieder einen der großen Gesellschaftsromane zu lesen. Der Roman Manhattan Transfer von John Dos Passos (1896 – 1970) ist ein solcher. Er schildert aus der Perspektive zumeist kleiner Leute den Existenzkampf ums Überleben in der Großstadt…

Paul Klee - Tempelgärten
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Von Pascal bis Pop – Fundsachen und Gelegenheiten

Wieder einmal krame ich in alten Buchbeständen und finde drei ziemlich ramponierte Reclam-Bändchen. Zunächst eine Aufsatz- bzw. Vortragssammlung von Odo Marquard: Abschied vom Prinzipiellen. Ich hatte 1968  einige Vorlesungen von ihm besucht und mich vor allem an seinen Formulierungskünsten ergötzt. Sein Fazit über die Studentenbewegung lautete: Nach der materiellen Fresswelle kam die ideologische. In dem…

Staatswerft in Emden
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Joke Frerichs: Herkunftsmilieu

Wenn wir nicht wissen, woher wir kommen, wissen wir auch nicht, wohin wir gehen, schrieb einst Simone de Beauvoir. Als vor kurzem die letzte Steinkohlenzeche schloss, erinnerte mich dies unwillkürlich an den Niedergang der Werften, in deren Nähe ich aufwuchs. Lange Zeit habe ich mir über meine Herkunft wenig Gedanken gemacht. Man wurde in ein bestimmtes…

Max Ernst: Die Lebensfreude
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Episoden vom Reisen in Europa

Ist von Europa die Rede, langt man schnell bei Themen wie Brexit, Schuldenkrise, Streit um Flüchtlinge und ähnlichen Problemen an. Dabei wird leicht übersehen, worin der eigentliche Reichtum dieses Kontinents besteht: in seiner kulturellen Vielfalt und vor allem den unbegrenzten Reisemöglichkeiten. Reisen will gelernt sein. Es ist wichtig, herauszufinden, was für einen selbst die richtige…

Politik
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„Mehr Demokratie wagen“. Überlegungen zu einem zeitgemäßen Politikverständnis

„Mehr Demokratie wagen“ forderte einst Willy Brandt in seiner ersten Regierungserklärung als neu gewählter Bundeskanzler. Das ist einige Zeit her. Die Forderung hat an Aktualität indes nichts verloren. In Zeiten der Hegemonie des Neoliberalismus und der Verwerfungen der Globalisierung scheint ein Denken in Alternativen nicht mehr möglich zu sein. Angesichts der Erstarrung der politischen Verhältnisse…

Abschied
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Gegen das Vergessen: Der Roman „Die Annäherung an das Glück“ von Günter Steffens

Der 1976 erschienene Roman ist nur einem kleinen Kreis von Interessierten bekannt. Im  umtriebigen Literaturbetrieb waren Roman und Autor schnell vergessen. Zu Unrecht. Dieter Wellershoff, dem der Roman gewidmet ist, hielt ihn für ein Meisterwerk. Er hatte Günter Steffens während seiner Zeit als Lektor im Verlag Kiepenheuer & Witsch betreut. Und ihm ist es wohl…

Buchtitel "Lachmunds Freunde"
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Gegen das Vergessen: Der Roman „Lachmunds Freunde“ von Karl Mickel

Karl Mickels Roman Lachmunds Freunde ist nur wenigen Eingeweihten bekannt. Ich stieß durch Hinweise in den biografischen Skizzen von F.C. Delius auf ihn. Dieser hatte Mickel in seiner Zeit als Lektor des Rotbuch-Verlages kennen und schätzen gelernt. Der Roman besteht aus zwei Teilen: der erste Teil erschien 1991; der zweite Teil bricht kurz vor Vollendung…